Kolumbien das Land der Gegensätze
Bei meinen Reisevorbereitungen,
bin ich immer wieder auf diesem Satz
gestoßen. Kolumbien ist das viertgrößte Land in Südamerika und nach
Brasilien das Bevölkerungsreichste. Für die, die es nicht genau wissen: es
liegt ganz im Norden von Südamerika an der karibischen und pazifischen Küste,
umgeben von Panama, Ecuador, Venezuela, Peru und Brasilien. Und dort ganz im
Norden liegt Barranquilla, mein Zuhause für die nächsten 5 Monate. Barranquilla
ist eine Hafenstadt mit 1,6 Millionen Einwohnern und damit die drittgrößte
Stadt Kolumbiens. Man hört immer wieder unterschiedliches von der Stadt,
weshalb ich umso gespannter bin, sie endlich selbst kennenzulernen. Einerseits
ist es eine Industriestadt, die durch ihren günstige Lage am Meer und der
Mündung des Rio Magdalena eines der wichtigsten wirtschaftlichen Zentren
Kolumbiens geworden ist, andererseits wird immer wieder von der Lebensfreude
der Barranquillaner berichtet, und die Stadt soll sich durch ihre Fröhlichkeit
und ihren Optimismus auszeichnen.
Ich habe jetzt die erste Nacht in
meinem neuen Zimmer verbracht und bin immer noch überwältigt von all den
Eindrücken. Hinter mir liegen ziemlich turbulente Tage. Am Montagnachmittag
ging es los nach Frankfurt. Am Bahnhof wurde ich noch von Lena, Micha und
Freddy überrascht und im Zug ist dann Marlen zu mir gestoßen um mich an den
Flughafen zu begleiten. An dieser Stelle möchte ich mich auch nochmal bei allen
Freunden und meiner Familie bedanken, die mir so wunderbare Abschiede beschert
haben. Ich war jedes Mal überwältigt von den lieben Worten und Gesten und es
hat mir das Tschüss sagen nicht leicht gemacht.
In Frankfurt angekommen schien
dann alles nach Plan zu laufen und ehe ich mich versah saß ich im Flugzeug.
Doch leider sind wir nicht wie geplant um 22 Uhr losgeflogen, sondern mussten
nach einer Stunde warten wieder aussteigen, da das Flugzeug Probleme mit dem
Triebwerk hatte. Für die Nacht wurden wir dann in dem luxuriösen Sheraton-Hotel
untergebracht, wo ich in einer Luxussuite übernachten durfte. Das hat die
Verspätung wenigstens wieder etwas gut gemacht. Am nächsten Tag konnte ich dank
der Verspätung auch noch Jojo Tschüss sagen, die zufälligerweise genau an
diesem Morgen in ihr Auslandssemester in Brasilien geflogen ist. Um 13 Uhr ging
es dann endlich mit einer weiteren Stunde Verspätung los.
Bis nach Santo Domingo schien
alles nach Plan zu laufen. Wir machten einen kleinen Zwischenstopp zum Tanken,
aber als wir dann wieder weiter wollten, kam die Durchsage, dass es ein Leck in
einer Hydraulikflüssigkeitleitung gäbe und es hieß von Neuem wieder für alle
auszusteigen. Drei Stunden später sind wir dann endlich nach Panama weiter, wo
wir natürlich den letzten Flüge nach Barranquilla verpasst hatten. Also wieder
auschecken und eine weitere Nacht im Hotel. Auch das lief nicht ganz
problemlos. Maciej, der andere Student aus Osnabrück, mit dem ich zusammen
geflogen bin, wurde von Condor auf der Liste für die Migración
(Migrationsbehörde) vergessen. Deshalb saßen wir weitere drei Stunden am
Flughafen fest und das Hotel in dem alle anderen Passagiere untergebracht
waren, war dann letztendlich ausgebucht. Deshalb wurden wir dann nach
Panama-City reingefahren, wo wir nach einer kurzen Stärkung endlich nach einem
24h-Tag wenigstens noch ein paar Stunden Schlaf bekommen konnten. Am
Mittwochmorgen konnten wir endlich in unseren Flieger nach Barranquilla steigen
und diesmal klappte dann auch alles. Am Flughafen in Kolumbien wurden Maciej
und ich von unseren Padrinos abgeholt (das sind Buddies/ Paten die uns
zugeteilt wurden) und wir sind direkt vom Flughafen in die Universität
gefahren, wo wir eine Infoveranstaltung nach der anderen hatten. Da ich super
müde und alles auf Spanisch war, habe ich leider davon nicht mehr so viel
mitbekommen, aber Jairo mein Padrino war so nett und hat mir die wichtigsten
Informationen nochmal zusammengefasst.
Ich habe dann auch direkt zwei meiner Mitbewohnerinnen kennengelernt: zwei
Mexikanerinnen, die kein Englisch sprechen aber echt ziemlich nett sind. Leider
haben wir uns dann aber auf der Campustour verloren und da ich noch keine
Schlüssel für die Wohnung habe und die beiden wie vom Erdboden verschluckt
waren (letztendlich waren sie shoppen) musste ich mit meinem Padrino nochmal
bis 22Uhr warten bis ich endlich in mein Zimmer konnte. Der hat sich aber super
lieb um mich gekümmert und ich kann mir echt keine bessere Betreuung
vorstellen.
Heute ging es weiter mit den
Infoveranstaltungen, sowie einer offiziellen Begrüßungsveranstaltung der Uni.
Dort wurde uns schon mal ein Eindruck gegeben, was uns die nächsten Wochen
erwartet: el carnaval. Der Karneval in Barranquilla ist der zweitgrößte
Karneval in Südamerika und von der Stimmung wahrscheinlich mit dem in Rio zu
vergleichen. Die ganze Stadt ist dann im Ausnahmezustand und es gibt überall
Umzüge und Straßenfeste mit karibischen Musik und Tanz.
Auch wenn so ziemlich alles
schief gelaufen ist, was schief laufen konnte, geht es mir trotzdem gut und ich
fühle mich echt wohl hier. Der Campus ist sehr schön (sehr grün), die anderen
Austauschstudenten sehr nett und die Organisatoren und Padrinos sehr sehr
herzlich und lieb. Meine Wohnung ist auch super, im 11 Stock mit Blick aufs
Meer und sehr neu und schön. Nur das Spanisch macht mir noch etwas zu schaffen.
Da die anderen Austauschstudenten zum großen Teil aus Lateinamerika kommen,
wird eigentlich nur Spanisch gesprochen, was das kennenlernen ziemlich mühsam
macht. Ansonsten bekommen wir auch alle anderen Informationen auf Spanisch,
sodass man sich permanent konzentrieren muss und ich dementsprechend auch jetzt
ziemlich fertig bin.
Morgen werde ich dann endlich
auch mehr von Barranquilla sehen, weil eine sight-seeing-tour geplant ist mit
Abschluss am Meer!!! Darauf freue ich mich schon riesig. Davon erzähle ich dann
das nächste mal J
Liebe Grüße
Judith
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